Russland und die KI: Das sagt der mächtigste Mann im Staat

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich ungewöhnlich offen zum Thema Künstliche Intelligenz geäußert.

Zwischen technologischem Ehrgeiz und tiefer Skepsis beschreibt der mächtigste Mann im Staat die KI als Werkzeug mit einem enormen Potenzial, aber auch ebenso großen Gefahren.

Aktuell arbeitet Moskau an einer landesweiten Strategie, damit der Einsatz der Technologie in nahezu allen Bereichen vorangetrieben werden kann.

Anerkennung und Warnung zugleich

Es war das erste Mal, dass sich das russische Staatsoberhaupt Wladimir Putin öffentlich zur Bedeutung der KI geäußert hat.

Einerseits räumte er ein, die KI könnte für das Land eine zentrale Rolle spielen, andererseits gab er auch klar zu verstehen, dass der Umgang mit dieser Technologie mit erheblichen Unsicherheiten verbunden sei.

Niemand kann derzeit mit Gewissheit sagen, wie die KI langfristig genutzt werden soll, so der Kremlchef sinngemäß. Dabei verwies er auf die fehlende Klarheit über Chancen und Risiken.

Putin brachte seine Sorge auf den Punkt, indem er davor warnte, durch einen falschen Umgang mit KI „alles zu verlieren“.

Aus seiner Sicht sei der Verzicht auf diese Technologien ebenso gefährlich wie ihr unbedachter Einsatz. Damit hat er ein Spannungsfeld beschrieben, in dem sich nicht nur Russland befindet, sondern viele andere Staaten auch.

Die KI sei schließlich ein mächtiges Instrument, dessen Nutzen und Schaden eng beieinanderliegen.

Vor Jahren noch vorwiegend im Gaming-Bereich eingesetzt, so hat die KI heute fast jede Branche erobert und nachhaltig verändert. In Online Shops nimmt man zuerst Kontakt mit einem Chatbot auf, wenn man eine Frage zu einem Artikel hat, in Online Casinos, in denen man nicht 5 Sekunden warten muss, erstellt die KI im Hintergrund Bonusangebote, die auf das Spielverhalten angepasst sind.

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Oder schlägt auch Alarm, wenn sich das Spielverhalten verändert hat. Zudem werden immer mehr Videos, Bilder oder auch Texte mit KI generiert.

Diskussion im Menschenrechtsrat

Diese Einschätzung über die KI äußerte Putin im Rahmen einer Sitzung des russischen Menschenrechtsrats. Dort hat er die KI als ein „wichtiges und sehr schwieriges Thema“ bezeichnet.

Anlass für seine Ausführungen war ein Beitrag des Technologieunternehmers Igor Aschmanow, Geschäftsführer der Firma Kribrum, der darauf hinwies, dass es Lücken bei der Regulierung von KI gibt.

Putin hat diesen Punkt aufgegriffen und klar gestellt, dass selbst Fachfremde spüren würden, wie dringend der Handlungsbedarf sei, auch wenn bislang niemand genau weiß, welche Maßnahmen erforderlich sein werden.

In diesem Zusammenhang hat der Präsident seine Überlegungen auf verwandte Themen ausgeweitet – so etwa den Umgang mit großen Datenmengen.

Die Nutzung von Big Data und ähnlichen Technologien würde die Staaten vor ähnliche Herausforderungen wie KI stellen.

Der Fortschritt sei unvermeidlich, doch die Leitplanken würden vielerorts noch fehlen. Genau darin liege die Gefahr, so Putin sinngemäß: Ohne klare Regeln könnten Fehlentwicklungen mit schwerwiegenden Folgen möglich sein.

Die mahnenden Worte des Präsidenten kommen nicht einfach so. Derzeit wird nämlich in Moskau intensiv an einer Strategie gearbeitet, um die KI flächendeckend einsetzen zu können. Man verfolgt das Ziel, KI-Anwendungen in nahezu allen Bereichen zu etablieren.

Das beginnt bei der öffentlichen Verwaltung und geht über Schlüsselindustrien bis hin zu regionalen Strukturen im gesamten Land.

Regierung setzt auf breite Einführung

Ministerpräsident Michail Mischustin hat in diesem Zusammenhang an frühere Aussagen Putins erinnert, wonach Russland zwingend eigene KI-Systeme entwickeln müsste.

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Technologische Eigenständigkeit sei aus Sicht der Führung ein zentraler Bestandteil der nationalen Souveränität. Der geplante Ansatz soll daher nicht nur staatliche Stellen erfassen, sondern in weiterer Folge auch Wirtschaftszweige und Regionen einbeziehen.

Die Regierung arbeitet laut russischen Medienberichten auch an der Einrichtung eines zentralen KI-Hauptquartiers.

Diese neue Struktur soll konkrete Zielvorgaben definieren, dann die Umsetzung überwachen und in weiterer Folge die Aktivitäten verschiedener Ministerien und Behörden koordinieren. Auch die Ergebnisse laufender KI-Projekte will man systematisch bewerten.

Putin hat die Bevölkerung bereits dazu aufgerufen, die heimische Entwicklung der KI geschlossen zu unterstützen. Aus seiner Sicht sei die KI ein Schlüssel, damit technologische Unabhängigkeit Russlands gesichert werden kann.

Internationale Kooperation und Energiebedarf

Trotz des Fokus auf die Eigenständigkeit sucht Russland aber auch die Zusammenarbeit mit befreundeten Staaten im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Erst kürzlich wurden entsprechende Abkommen unterzeichnet.

Gleichzeitig ist zudem ein weiterer Aspekt in den Vordergrund gerückt – der steigende Energiebedarf. Nach Einschätzung eines Spitzenmanagers der Bank VTB wird Russland in den kommenden Jahren rund 77 Milliarden US Dollar investieren müssen, damit zusätzliche Stromkapazitäten aufgebaut werden können. Hintergrund ist der wachsende Bedarf durch KI-Rechenzentren und Krypto-Mining.

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